„Wie? Heißt es nicht ‚Spektralfarben‘ – ‚Farbspektrum‘… oder watt?!“

Willkommen, liebe Leserinnen und Leser, auf meinem Blog! Nein, was Sie am Kopfende dieser Seite lesen ist kein Resultat eines Tippfehlers oder mangelnder Deutschkenntnisse. Auf den folgenden Seiten wird es weder um physikalische Optik, noch um bildende Kunst und auch nicht um Ophthalmologie gehen. Worüber ich stattdessen schreiben und Sie, werte Besucher und Besucherinnen dieser […]

Coming out of „komisch“. Über Normkonformismus und Nonkonformismus

Wenn es ein Wort gibt, dass mich den größten Teil meines bisherigen Lebens hindurch begleitet hat, ein Wort, das an mir klebt wie eine lästige Klette, hundertfach vermeintlich abgestreift, nur um stets aufs Neue feststellen zu müssen, dass es sich abermals in der Kleidung verfangen hat, ein Wort, das immer wieder wie ein hässlicher Nachtgnom aus dem Schatten tritt, der mich angrinsende Mund hinter schiefen braunen Zahnstümpfen einen fauligen Geruch freigebend, sobald ich in Kontakt mit anderen Menschen trat, in Schule, Spielplatz, Arbeit, oder weiß der Kuckuck wo – dann ist es dieses eine scheinbar harmlose kleine Wörtchen „komisch“.

Nun kann „komisch“ freilich prinzipiell zweierlei bedeuten. Weiterlesen

Mütter-TÜV

Falls Mütter sich entscheiden, sich einen Lieblingsfeind zuzulegen, ein Objekt der moralischen Empörung, selbstgerechten Beurteilung und ins Kleinste gehenden kritischen Begutachtung, dann sind es nicht etwa kinderlose Paare, Rentner, Hundebesitzer oder sportwagenfahrende Junggesellen, nein, dann sind es – andere Mütter! Sie mögen es nicht immer sofort offen zeigen, aber glauben Sie mir: Das Aufspüren von und die Entrüstung über die vermeintlichen Erziehungsfehler anderer ist der Lieblingssport der meisten Prä- und Postgebärenden. Wer sich da als Schwangere erdreistet, ein Stück Camembert zu essen, wer seinem Baby zuerst Banane statt Karotte füttert (oder umgekehrt), wer mit neun Monaten nicht mehr stillt oder mit neun Monaten immer noch stillt (oder, Gott bewahre, nie gestillt hat!), wer seinem Kind einen Schnuller gibt oder den Schnuller vorenthält, wer es zu wenig trägt oder niemals ablegt, der bekommt im allgemeinen Mütter-TÜV schon mal gaaanz miese Noten. Weiterlesen

Eine „aspergische“ Kurzgeschichte

Den folgenden Text habe ich vor etlichen Jahren geschrieben, zu einer Zeit lange vor und weit weg von meiner Autismus-Diagnose. Längst hatte ich nicht mehr an diesen Text gedacht, er schlummerte irgendwo in den Untiefen meines Rechners, bis ich vor Kurzem wieder auf ihn stieß. Handlung und Figuren der Geschichte sind rein fiktiv.

Tee

Ich sitze da. Und ich weiß, sie ist hier. Ohne jeden Zweifel ist sie hier, nur einige Zentimeter von mir entfernt, vermutlich nicht einmal einen Meter. Ich weiß, sie ist hier und sieht mich an und krümmt den Raum. Und also besitzt sie Schwerkraft, wie jeder Körper im Universum. Und ich sitze da und krümme meinen Raum. Und irgendwo in der Mitte treffen sich unsere Raumkrümmungen und an ihren Rändern ziehen unsere Schwerkräfte mal in diese, mal in jene Richtung, sodass am Ende ein raumzeitliches Gleichgewicht herrscht. Doch manche Schwingungen überwinden die Raumkrümmung ihres Körpers und treten ein in meine. Signale. Wellen. Impulse vielleicht, wer weiß. Und diese Schwingungen treffen auf meine Haut, dass ich sie fühle auch wenn ich sie nicht sehe. Sie nicht ansehe. Weiterlesen

Allein als autistische Mutter unter den Wesen vom Planeten Mutteropia

Kennen Sie diese Mütter: Sie sehen gut aus (das heißt Haare immer zurecht gemacht, einigermaßen modisch gekleidet, alles sitzt an seinem Platz, auch das Makeup hat sich adrett an seinen ihm zugedachten Verweilorten an Lidern, Lippen und Wimpern niedergelassen), sie schreiten federnd aus, bewegen sich luftig-locker und vor allem sind sie sorglos-fröhlich, manchmal erzieherisch tadelnd, immer und überall aber – und das ist entscheidend – im Gespräch mit anderen Müttern oder Vätern, ihren Freundinnen, Nachbarn, Passanten, Mitspielplatzbesucherinnen, das Energielevel hoch und höher und anscheinend unerschöpflich, sie sind verspielt, kommunikativ, gesellig, beliebt bei Klein und Groß? Natürlich kennen Sie sie, denn das sind sie, die Mütter halt, die Sorte Frau, die wir uns vorstellen, wenn wir im 21. Jahrhundert an das Wort „Mutter“ denken. Und es gibt sie ja tatsächlich, die Parks und Spielplätze und Cafés und Kindergärten (nicht zu vergessen die Medien) wimmeln nur so von ihnen: Vollzeit berufstätig, zwei bis vier Kinder, trotzdem immer schwungvoll und gut drauf, stets zu einem Pläuschchen aufgelegt. Ich nenne sie „die fabelhaften Wesen vom Planeten Mutteropia“. Weiterlesen